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Ich bin auf die Idee dieses Essays gekommen, als ich die folgenden Zeilen von Necla Kelek gelesen habe:
„Ich gehe davon aus – alle Recherchen sprechen dafür –, dass mindestens die Hälfte dieser Ehen arrangiert oder erzwungen wurden. Warum sollte ein junger Mann aus Berlin, Hamburg oder Köln ausgerechnet ein Mädchen aus Anatolien heiraten, das er höchsten einmal vor der Eheschließung gesehen hat?“
Nirgendwo in ihrem Buch hat Kelek die „arrangierten Ehen“ zwischen den deutschen Männern und den fernöstlichen Frauen debattiert. Es muss also etwas Faules an ihrer Herangehensweise sein. So schrieb ich den folgenden Gedankengang nieder:
„Ich gehe davon aus – alle meine Recherchen sprechen dafür –, dass mindestens 99 % der aus der Türkei stammenden Entels (Pseudointellektuelle) in Deutschland arrangiert oder durch Wirtschafts- und psychologische Verblendungsmechanismen gezwungen wurden, sich mit den von der Herrschaft (vor)bestimmten Themen der Ausländerprobleme zu befassen. Warum sollte sonst ein türkischstämmiger Entel (Pseudointellektueller) ständig ihren Beitrag zur Stigmatisierung der Türken in Deutschland leisten, obwohl das Aufnahmeland Deutschland die Hauptverantwortung bei der nicht verwirklichten Integration der Türken trägt?“
Mein folgendes Essay ist ein Versuch, um auf diese Frage eine Antwort zu suchen.
Hierbei handelt es sich übrigens keinesfalls nur um ein Problem der türkischen Intelligenz, die sich mit dem Westen und damit mit der Macht und mit dem Reichtum identifiziert. Es handelt sich um ein allgemeines Phänomen, das Julian Benda schon im Jahre 1925 als „La trahison des clercs“ („der Verrat der Intellektuellen“) bezeichnet hat. Fast gleichzeitig (1919) hat Hugo Ball in Deutschland den machiavellistischen und damit den heuchlerischen Charakter der Mehrheit der deutschen Intelligenz untersucht und kritisiert. (Hugo Ball: „Zur Kritik der deutschen Intelligenz“).
Die Anpassung der Intellektuellen an das herrschende System ist also keine besondere Eigenschaft der türkischen Intelligenz. Die Besonderheit dieser aus einem von dem Westen negativintegrierten, stigmatisierten Land (die Türkei) stammenden Schicht ist jedoch die Tatsache, dass sie diese unangenehme Situation (die Falle) durch eine Überidentifikation (Ödipuskomplex) mit der westlichen Vaterfigur (mit dem Angreifer) zu überwinden versucht. Aus diesem Grunde sitzen diese „Möchte- gerne- Intellektuelle“ unentrinnbar in der Falle der Negativintegration des Westens, ohne von ihrer eigenen erbärmlichen Situation eine Ahnung zu haben. Das tragische dabei ist: Diese Schicht kommt erst dann in den Genuss der Ressourcen der Herrschaft, wenn sie bei der Ausgrenzungs- bzw. Stigmatisierungsarbeit dieser Herrschaft gegenüber den (türkischen) Immigranten mitmacht, d.h. sich von den Sozialingenieuren dieses (westlichen) Landes „arrangieren“ lässt.
Diese für die beiden Beteiligten (die Herrschaft und die arrangierte Intelligenz) vorteilhafte, im Grunde heuchlerische „Zusammenarbeit“ ist wiederum keine Besonderheit der türkischen Intelligenz, von der ich hier sprechen werde. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen unter der Intelligenz von verschiedenen religiösen oder ethnischen Immigrantengruppen in Deutschland.
Meine Hauptthese lautet also in diesem Zusammenhang: Es mag wohl das „arrangierte Heiraten“ unter den Türken in Deutschland geben. Mit Sicherheit gibt es aber auch (türkische) Intellektuelle bzw. SozialwissenschaftlerInnen in diesem Lande, die eine arrangierte Arbeit tun: Sie bekommen einen Auftrag von „oben“ und erledigen sie nach der Vorstellung der „Herren“ (die Institute der herrschenden politischen Instanzen), von denen sie arrangiert worden sind. Dass diese „arrangierten Intellektuellen“ sich selbst nicht bewusst sind, dass sie in einem Auftrag handeln (hier: schreiben oder „forschen“), ändert die Tatsache ihrer Arrangiertheit nicht. Dann sind sie eben unbewusste Werkzeuge der Herrschaft. Diese Sorte der „Intellektuellen“, auf die ich unten sowohl allgemein als auch im Bezug auf Deutschland detaillierter eingehen werde, nenne ich die „arrangierten Entels“.
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Im Folgenden möchte ich drei Hauptbegriffe meines Essays erörtern: Die Begriffe „arrangiert“, „Entel“ und „Entel- Kegel“.
Wo kommt das Wort „arrangiert“ her?
Jürgen Nowak schreibt: „Seit 2003 steht das Thema ‚arrangiertes Heiraten’ oder ‚Zwangsverheiratung’ auf der Tagesordnung der migrationspolitischen Diskussionsrunden, diverser Anhörungen und zahlreicher Presseberichte. Das Wort ‚arrangieren’ bedeutet ‚gestalten, anordnen, einrichten’. Es kommt aus dem Französischen und ist ein Bildung zu ‚ranger’ = ‚aufstellen, einreichen, einordnen’. Es leitet sich von germanischen ‚Rang’ ab, das eigentlich ‚Kreis’ bedeutet (vgl. Deutsch ‚Ring’) “.
Das Hauptthema meines vorliegenden Essays ist die türkische Sorte der „gestalteten“, „angeordneten“, „eingerichteten“, „aufgestellten“, „eingereichten“ und „eingeordneten“ Intellektuellen, die um die (westliche) Herrschaft „kreisen“.
Was bedeutet das Wort Entel?
„Entel“ ist ein Wort, das von den Türken in Anspielung an den „Intellektuellen“ entworfen wurde. Im Türkischen stamm das Wort Entel von dem Französischen „Intellectuel“, den die Türken als „entellektüel“ aussprechen. Das Wort „Entel“ ist eine spöttische Abkürzung vom „Entellektüel“. Dieses ironische Wort hat in Deutsch keine direkte Entsprechung. Man kann dafür etwa „Klugscheißer“ oder „möchte gerne bzw. Pseudo- Intellektueller“ oder ähnliches sagen. Das türkische Wort „Entel“ beschreibt jedoch wie maßgeschneidert eine Sorte des Intellektuellen in der Türkei. Übrigens: Wenn ich von dem türkischen „Entel“ spreche, meine ich damit einen allgemeinen Begriff auch für die weibliche Sorte von Entels. Da der Begriff „Entelin“ noch weitere Entfremdung von der deutschen Sprache bedeuten würde, verzichte ich auf ihren Gebrauch.
Der Entel versucht sich wie ein Intellektueller zu verhalten, genau so wie sich in La Fontaines Fabel der Rabe als ein Fasan verkleidet und gleich nach einem starken Wind seine geklauten oder eingesammelten Federn verliert. Er symbolisiert eine ausgeliehene, nicht richtig „sitzende“ Intellektualität.
Was bedeutet „Entel- Kegel“?
Auf Anspielung auf die Redewendung „Kind und Kegel“ bezeichne ich die in Deutschland groß gewordenen türkischstämmigen Entels als „Entel-Kegel“. Sie sind Entels im oben beschriebenen Sinne. Hinzu kommt noch ihr „Kegel“- Dasein: Zwar leben sie im Westen (hier: in Deutschland) aber sie sind irgendwie dort nicht richtig angekommen. Sie gehören nicht richtig dazu. Sie unterliegen die Differenzideologie in Deutschland, egal wie weit sie sich dem westlichen/ deutschen Vaterland angepasst haben bzw. sich assimilieren ließen. Auch die weitgehende Verachtung des „Mutter-Landes“ Türkei und die türkischen Immigranten in Deutschland reichen nicht aus, um sie vom deutschen Vater(land) als ebenbürtig mit den eigentlichen Kindern des Vaters anzunehmen.
Entel-Kegel müssen sich also damit begnügen, eine zweitrangige Beziehung mit dem deutschen Vaterland zu haben. Der Vater vermeidet konsequent, sie „meine (richtigen) Kinder“ zu nennen: Er macht immer den Unterschied, wenn er seine „ausländischen“ Kinder erwähnt:
„Wohin geht ihr?“ fragt einer den Vater.
„Wir gehen zum Picknick!“ antwortet er.
„Wer kommt alles mit?“ fragt man ihn.
„Kind und Kegel!“ antwortet er.
Nun müssen sich die Entel-Kegel Doppel so viel bemühen, um vom Vater geliebt und anerkannt zu werden, weil der Vater ihnen gegenüber ambivalente Gefühle hat. Die Entel-Kegel sind zwar in seinem Hause geboren, sie stammen aber nicht von der Frau des Hauses!
Über die weiteren Eigenschaften und über die Sorten der Entel- Kegel werde ich später noch kommen. Zunächst sollen hier die allgemeinen Eigenschaften der türkischen Entels dargestellt werden.
Wie sieht der türkische Entel stereotypisch aus?
Den türkischen Entel kann man stereotypisch wie folgt beschreiben: Er hat eine krumme Pfeife im Mund, hat meistens eine Baskenmütze auf dem Kopf, ist ein Kneipenbesucher. Er redet gerne, rettet die Welt, ist meistens ein Linker, der in seinen unendlichen Gesprächen insbesondere die Menschen- und Frauenrechte verteidigt. Er kann aber auch ein Rechter sein, wie ich nachher darstellen werde. Er beherrscht eine oder sogar mehrere Fremdsprachen, informiert sich sowohl über die ins Türkische übersetzten Bücher der westlichen Autoren als auch über die bekannten, westlichen Zeitschriften. Er ist entweder der ewige Student mit den wohlhabenden Eltern oder er ist in einem erzieherischen Bereich tätig. Dass er Gedichte, Geschichten, Aufsätze oder Kritiken schreibt, ist schon bekannt.
Ach ja: Er jagt nach Erfahrungen mit den „freien“ Frauen, die von der traditionellen Familienstrukturen weggelaufen sind und sich wirtschaftlich und sexuell emanzipiert haben. Auch diese Frauen führen das Leben eines (weiblichen) Entels, so dass sie auch wie die männlichen Entels, Freiheiten des Lebens ohne „Tabus“ und den Zwang der Gemeinschaft genießen möchten…
Die türkischen Entels sind, wie oben schon gesagt, hauptsächlich linksorientiert, aber es ist keine feste Regel: Es gibt auch rechtsorientierte Entels. Was unterscheidet den linken und den rechten Entel voneinander?
Wie sieht der linksorientierte türkische Entel „ideologisch“ aus?
Zunächst muss hier erwähnt werden, dass der Westen sehr großen Wert auf die „Sozialisation“ der türkischen Entels legt. Dafür wurden sogar Schulen in der Türkei gegründet. Beispiele: „Galatasaray Lisesi“, „Robert Kollege“ (heutige Boðaziçi Üniversitesi), Alman Lisesi, Avusturya Lisesi usw. Solche Erziehungsanstalten bilden Englisch, Französisch oder Deutsch sprechende Studenten und Studentinnen aus, die nach dem Studium unbedingt in den Westen gehen und weiter studieren wollen. Diese Entels, die mit den Steuern der armen Schichten studiert haben, dienen entweder im Ausland dem Westen, oder sie kehren nach dem Studium in die Türkei zurück und bekommen die höheren Posten, gehören der Führungsschicht an, die das einfache türkisch Volk verachtet. Sie dienen im Westen auch als Entel-Kegel, als „Brückenköpfe“.
Der linke Entel ist ein Internationalist, er verteidigt die allgemeinen Menschenrechte. Er ist ein Gegner des Nationalismus. Daher ist er mit den westlichen Entels innerlich verbunden. Denn der türkische Entel geht davon aus, dass auch die westlichen Intellektuellen gegen den Nationalismus bzw. gegen den Nationalstaat sind. Dieser Gedanke stimmt nur äußerlich. Im Grunde ist der westliche Entel im Gegensatz zum östlichen/ türkischen Entels sehr eng mit seinem Staat und seiner wirtschaftlich und politisch starken Nation verbunden. Denn der (westliche) Staat kann sich leisten, seine eigenen Entels zu beschäftigen, zu ernähren und zu befriedigen…
Genau so wie die westlichen Intellektuellen verteidigen die türkische Entels die kulturellen Einheiten im ethnischen und religiösen Sinne. Die westlichen Entels sind Bewunderer der anderen „exotischen Kulturen“. Genau so ist auch der türkische Entel, der an das glaubt, was die westlichen Intellektuellen über sein Land und Leute sagen. Der türkische Entel ist also ein Orientalist im eigenen Lande: Orientalist im Sinne von Eduard Seid. Der Osten wird nicht als ebenbürtiger Mitspieler angesehen, sondern als etwas Exotisches und Minderwertiges. Den Grund dieser Fehlentwicklung erklärt der (westliche) Orientalist mit den Unterschieden zwischen den Kulturen des Westens mit dem Ostens. Kultur und Mentalität sind seine Lieblingsbegriffe, wenn er dem Orientalen klar machen will, warum er so unterentwickelt ist, obwohl die „Unterentwicklung“ im Grunde genommen ein Begriff aus der Wirtschaft ist. Er wird aber auf alle Bereiche des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens erweitert, so dass der türkische Orientalist/ Entel schließlich „glaubt“, dass die Gründe der Unterentwicklung seiner Landsleute nicht in den wirtschaftlichen Zusammenhängen liegen, sondern im mentalen Bereich. Dafür gibt es auch genug Beweise: Es ist ja wohl bekannt, dass sie faul, religiös und abergläubisch sind. Sie glauben an das Schicksal im religiösen Sinne, sind eben mental anderes und deshalb selber Schuld an ihrer miserablen wirtschaftlichen Situation.
So ist der orientalistisch geschulte, linksorientiert türkische Entel ein Mensch mit großen Komplexen. Für ihn ist alles, was vom Westen kommt, ist richtig und wertvoll und das, was aus seinem eigenen Land, aus dem Orient kommt, ist falsch und wertlos. So wie die Juden in Europa jahrhunderte Lang mit einem Selbsthass wegen ihrer nicht verwirklichten Integration lebten, genau so lebt der linksorientierte türkische Entel mit einem Selbsthass wegen der irgendwie bei den europäischen Intellektuellen nicht verwirklichten Akzeptanz der türkischen Kultur und der Türkei als Land in Europa.
Diese prekäre Situation vergleiche ich mit einem Ödipuskomplex. Danach nimmt der linksorientierte türkische Entel den Westen als ein Über-Ich, als eine Vaterfigur wahr. Die Türkei ist in diesem Sinne nichts anderes als die ohnmächtige Mutter, von der der linksorientierte türkische Entel sich geistig fern hält, um dem mächtigen Vater einen Gefallen zu tun und ihn nicht böse werden zu lassen. Dieses „Fliehen“ hat verschiedene Formen: Einige tun alles, die ohnmächtige Mutter zu verlassen, nach Westen zu fliehen, um dort studieren zu können und verstanden zu werden. Einige, die in der Türkei geblieben sind, leben in ständiger Klagestimmung darüber, dass sie mit den „Fleischköpfen“ und unterentwickelten Menschen zu tun haben. Die Unzufriedenheit („Hüzün“) ist die Grundlage ihrer geistigen Verfassung. Sie betrachten sich als die verlorenen Söhne eines (westlichen) Vaters, von dem sie räumlich entfernt bleiben mussten. Der Westen ist also ihre geistige Heimat, ihr geistiges Vaterland. Alles, was sie schreiben oder tun, hat ihre imaginären Referenzen im Westen. Sie fühlen sich erst dann glücklich, wenn ihre geistigen Produkte (Gedichte, Romane, Essays usw.) im Westen, im Land ihres Vaterlandes publiziert werden. Sie streben mit unnachgiebiger Energie danach, von dem Vater im Westen anerkannt zu werden. Dass sie dafür die eigene Mutter (die Türkei, die türkische Kultur) verachten und erniedrigen müssen, ist eine klare Sache. Denn die Mutter ist es, die sie hindert, sich in Richtung ihres Vaters zu entwickeln, so mächtig und erfolgreich zu werden. (Orhan Pamuk ist ein exemplarisches Beispiel dieses Phänomens, worüber ich in einem anderen Essay unter dem Titel: „Orhan Pamuk’s Orientalismus und Istanbulnarzissmus“ meine Thesen dargestellt habe).
Es erübrigt sich hier fast zu sagen, dass der linksorientierte Entel ein großer Anhänger der universalistischen Menschenrechte bzw. der Aufklärung ist. Diese Anhängerschaft hat bei ihm einen geistigen Haken: Da er den Westen als eine bedingungslos nachahmenswerte Instanz ansieht, findet er alles, was der Westen im Osten im Namen der Menschenrechte macht und machen möchte, richtig. Er geht (unbewusst) davon aus, dass sein westlicher Vater, mit dem er sich (über)identifiziert hat, fehlerlos ist, wenn er von den Menschenrechten spricht. Dass der Westen seit Napoleon im Namen der Menschenrechte und der Freiheit Länder erobert und plündert (aktuelles Beispiel: die USA im Irak), will der türkische Entel nicht wahrhaben. So ist auch seine geistige Nähe zu den Menschenrechten mit einem unheilbaren Komplex beschädigt. Alles, was der Westen in der Türkei in Bezug auf Menschenrechte kritisiert, nimmt er einfach an: Dass der Westen dabei (s)eine Wirtschaftspolitik verfolgt, kann der türkische Entel nicht begreifen: Dass die wirtschaftliche Globalisierungspolitik des Westens mit den Demontierungen der Nationalstaaten (wie es in Jugoslawien und im Irak der Fall war), mit den Zersplitterungen in ethnischen und religiösen Bereichen parallel laufen „müssen“, kann der türkische Entel nicht verstehen. Der Westen übertreibt manchmal vielleicht, aber er macht alles gut! Die Feinde der Demokratie, der Menschenrechte und der Freiheit sind schon klar: „Milosevic, Saddam, Bin Laden, Al Kaida, Esat und die türkischen Militärs bzw. die „versteinerten Kemalisten“.
Auf einmal fängt der linksorientierte türkische Entel das Kopftuch in den öffentlichen Bereichen in der Türkei zu verteidigen; er kritisiert den „versteinerten“ Kemalisten, die mit dem Staatsprinzip Laizismus eben etwas übertrieben hätten… Er denkt auch über die ethnischen Auseinandersetzungen in der Türkei genau so, wie sein westlicher Vater es so will: Genau so wie seine westlichen Entelbrüder und Entelschwestern und sein westlicher Vater findet er eine politische Lösung des Kurdenproblems richtig. Außerdem soll die Frage über die „Armeniermassaker“ der Jungtürken so gelöst werden, wie der westliche Vater es vorschreibt: Das war ein Völkermord, so wie die Nazis an Juden begangen haben. Die Türkei soll sich eben mit ihrer Geschichte auseinander setzen und diese Tat mit allen Konsequenzen anerkennen.
Dass solche Thesen auch von seiner westlichen Vaterfigur und damit gleichzeitig und gleichförmig auch von seinen westlichen Entelbrüdern (oder Schwestern) vertreten werden, veranlasst den linksorientierten türkischen Entel die demokratischen und menschenrechtlichen Absichten seiner westlichen Über-Ich-Instanzen nicht zu bezweifeln. Wenn man den linksgerichteten türkischen Entel auf die Gemeinsamkeiten zwischen seinen Thesen und den Thesen seiner westlichen Vaterfigur aufmerksam macht, sagt er: „Egal, was der Westen sagt. Richtig ist richtig. Ich orientiere mich an meinen eigenen demokratischen Werten!“ Leider kann der linksorientierte türkische Entel wegen seiner unbewussten Über-Ich-Identifikation nicht „frei“ denken. Sein unbewusstes Über-Ich (die westliche Vaterfigur) determiniert sein ganzes geistiges Wesen wie ein „Vorurteil“. (Einstein: „Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.“).
Nein, natürlich wagt er gelegentlich den „amerikanischen- bzw. westlichen Imperialismus“ allgemein zu kritisieren. Aber die weitgehenden geistigen und praktischen Konsequenzen dieser Kritik zieht er nicht. Kurz nachdem er mit der USA-Kritik sein Gewissen beruhigt und die Kritik seines Gesprächspartners entschärft hat, fängt er mit seiner Hauptkritik an seiner Mutter bzw. seinem Mutterland an, die ihn ja ständig veranlasst, sich vor dem westlichen Vater zu schämen. Psychoanalytisch bedeutet es: Er hat Angst vor seinem westlichen Vater, weil dieser Vater so allmächtig ist. Wie sein Vater verachtet er die „östliche“ Mutter (die Türkei) und schämt sich ihres wegen vor dem Vater.
Die geistige Lage des rechtsorientierten türkischen Entels
Der rechtsgerichtete türkische Entel hat im Gegensatz zum Linksgerichteten eine enge Bindung zu seiner/m Mutter/land Türkei. Er ist kein direkter, offen gestandener Bewunderer des Westens. Tief in seinem Herzen hat er sogar Hassgefühle ihm gegenüber, der seine Mutter ständig kritisiert und ausbeutet. Er ist islamisch-religiös oder nationalistisch oder beides gleichzeitig. Er verteidigt die Werte wie Vaterland, Nation, Islam, und ist stolz auf die „glorreiche Vergangenheit seiner Vorfahren wie z. B. der Osmanen“. Seine Liebe an die Mutter mündet in der Verherrlichung der Geschichte, die er in der Zukunft wieder herstellen will. So flieht der rechtsgerichtete türkische Entel von der Realität der heutigen (leidenden) Türkei (Mutter) im Namen einer verherrlichten Vergangenheit, genau so wie sein linksgerichteter Zwillingsbruder im Namen einer imaginären Freiheit, Demokratie und Menschenrechte im Westen aus der aktuellen Realität von „Hier und Jetzt“ flieht. Dieser Flucht ist ein gefundenes Fressen für den (westlichen) Vater, der die gerade jetzt real existierende Türkei mit Hilfe von diesen links- oder rechtsgerichteten Illusionisten weiter beschäftigen/ ablenken und ausbeuten kann. Denn die türkischen Entel-Kinder aus den verschiedenen ethnischen und religiösen Richtungen haben Anderes, Größeres vor: Der eine (linksgerichtete) will die Türkei weiterentwickeln, indem er alles akzeptieren möchte, was seine westliche Vaterfigur verlangt; der andere (rechtsgerichtete) will die Türkei wieder in ihre „glorreiche Vergangenheit“ zurückführen; ein anderer möchte nach dem Wunsch seines westlichen Vaters einen Kurdenstaat in der Türkei gründen; ein anderer möchte in der Türkei wieder das Kalifat einführen… Gemeinsam bei diesen Entel-Brüdern sind ihre Allmachtsphantasien, die sich nicht auf die (konkrete) „Hier und Jetzt“, sondern auf die (ungewisse) Zukunft beziehen. Die arme Türkei wird einerseits von den westlichen Imperialisten und andererseits von ihren direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst mit ihm kollaborierenden eigenen Söhnen zu einer unheilbaren Krankheit verdammt bzw. ausgebeutet, ausgeplündert.
Die rechtsgerichteten bzw. ethnisch und religiös orientierten türkischen Entels (die sog. „Milliyetçiler“, „Fethullahçýlar“, „Islamcýlar“, „Aleviciler“, „Kürtçüler“ usw.) betrügen sich, indem sie in Bezug auf die „Zusammenarbeit“ mit dem Westen sagen:
„Ja, heute haben wir enge Zusammenarbeit mit dem Westen, weil wir noch zu schwach sind, unsere Feinde in der Türkei beseitigen zu können. (Wohl bemerkt; diese ‚Feinde’ sind ihre Brüder oder Schwestern!). Wir wollen die Kemalisten d.h., den türkischen Nationalstaat gemeinsam mit dem Westen abschaffen. Dann werden wir auch mit dem Westen abrechnen. Wir sind im Moment zu schwach, uns gegen den Westen zu Wehr setzen oder ihn frontal angreifen zu können. Es wird aber auch unser Tag kommen. Heute benutzt uns vielleicht der Westen. Eigentlich wir benutzen ihn. Auch wir haben unsere Pläne, unsere Rechnungen. Wenn wir eines Tages die Macht in der Türkei und in ihrer Umgebung übernehmen, muss dann uns auch der Westen respektieren. Eines Tages gründen wir unser Reich auf Erden, das Frieden und Glück für die ganze Menschheit bringen wird…“
Und der Westen? Der Westen kennt die tiefen Einzelheiten des geistigen Charakters von rechts- d.h., ethnisch- und religiös orientierten türkischen Entels sehr gut und fördert bei ihnen dieser „Allmachtsphantasien“, die sie von der heutigen (türkischen) Realpolitik ablenken…
Aus diesem Grund ist ein nach einem islamischen Staat strebender Islamist als Regierungschef in der Türkei dem Westen lieber als ein „Kemalist“, der die Unabhängigkeit und die Interessen des türkischen Volkes vertreten könnte.
Kurzer Rückblick auf die türkische Geschichte: Der Westen – damals vor allem Engländer – versuchte den Kemalismus schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit Hilfe der Islamisten im Keim zu ersticken. Nach 1950 kamen in der Türkei die von den USA unterstützten Konservativen unter der Führung von Adnan Menderes an die Macht, die eine antilaizistische und antikemalistische Politik verfolgten. Auch die türkischen Nationalisten unter der Führung Alparslan Türkeþ wurden ab 1952 von den USA unter Obhut genommen, finanziell und ideologisch unterstützt, so dass sie mit der Hilfe der USA und des sonstigen Westens gegen die Sowjetunion die Allmachtsideologie „türkisch-islamische Synthese“ einsetzten.
Es war daher kein Zufall, dass sich Franz Josef Strauß mit Alparslan Türkeþ; George Bush mit Turgut Özal sehr gut verstand. Insbesondere Özal wurde von den europäischen/ deutschen Politikern und Orientalisten viel gelobt, weil er die Türkei genau nach den Wünschen des Westens „ändern“ wollte. Der „Nationalstaat der Kemalisten“ und sein Beharren auf Unabhängigkeit sollte abgeschafft werden. Die Staatsprinzipien Laizismus und Unitarismus sollten mit einem „Neo-Osmanismus“ der Anhänger der „2. Republik“ bzw. mit dem Föderalismus (Stichwort: Autonomie für Kurden) ersetzt werden.
So war es kein Zufall, dass der Westen bis zum Verfall des Ostblocks die Ideologie der„Türkisch- Islamischen- Synthese“, nach dem Ende des „Kommunismus“ den islamischen Fundamentalismus geduldet und gefördert hat. (Kaplan, Milli Görüs, Fethullaçýlar usw.).
Auch heute ist der sich laut eigener Bekenntnis zum „gemäßigten Islam“ einordnenden Tayyip Erdoðan ein guter Partner des Westens. Aus diesem Grund erhielt er im Dezember 2004 in Berlin den „Quadriga”-Preis. Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Laudatio hielt, lobte ihn als „Europäer des Jahres“.
Auch heute leisten die rechtsgerichteten Entels ihre Dienste für die Herren dieser Welt. Gestern haben sie sich im Namen des Antikommunismus von den USA misbrauchen lassen, heute versuchen sie, im Namen eines „gemäßigten Islams“ à la Fethullah Gülen (u. a), wiederum im Dienste der USA, den türkischen Nationalstaat (die kemalistische Erbe) an Acta zu legen. Mit Krawatten und Kragen, mit einer Aktentasche in der Hand laufen zahlreiche („moderne“) Entel-Kegel in den westlichen Ländern, um ihre Dienste für die Herren der Welt für eine Handvoll Dollar zu leisten. Dass sie dabei von einer zukünftigen paradiesischen islamischen Macht in der Türkei oder in der Welt träumen, ist eine ferngesteuerte Illusion, die mit den tatsächlichen Umständen der Welt überhaupt nicht zu tun hat. Ein häufig gehörter Spruch von ihnen heißt: „Auch wir haben unsere Pläne!“ Damit meinen sie, dass sie gegenüber ihren westlichen Herren im Moment eine Taktik (Arabisch: Takiyye!) anwenden; irgendwann in der Zukunft aber, wenn sie „groß und kräftig“ sind, werden sie ihre Herren entmachten und sich dann an ihre Stelle setzen! Es ist tatsächlich lächerlich und tragisch.
Die islamisch-fundamentalistischen und türkisch-nationalistischen Allmachtsphantasien der rechtsgerichteten türkischen Entel waren und sind im Grunde alles anderes als „vaterlandstreu“ bzw. „islamisch“ geprägt. Aber trotzdem haben sie in den 70er und 80er Jahren große Druck und Gewalt im Namen der Nation bzw. des Islams gegen die nach Gerechtigkeit strebenden armen Schichten ausgeübt. Ihre Parolen dabei waren: „Nieder mit den Ungläubigen“ und „nieder mit den Kommunisten!“ Sie waren nur Antikommunisten à la USA bzw. à la „Westen“. Diese rechtsgerichteten Entels waren beide von dem (real existierenden und leidenden) türkischen Volk genau so entfernt gewesen, wie ihre Brüder und Schwestern aus dem linken Lager. Sie waren genau so „ferngesteuert“, wie die anderen, so dass alle beide – trotzt ihrer theoretischen Imperialismus- und Westenkritik – im Grunde die Funktion eines geistigen Kindes des Westens erfüllten.
Türkischstämmige Entels im Westen
Was passiert, wenn die türkischen Entels im Westen aufwachsen? Nehmen wir Deutschland als Beispiel und stellen die Frage: Wie ist es, wenn sie sowohl türkisch als auch deutsch bzw. weder (ganz) türkisch noch (ganz) deutsch sind? Dann entstehen Entel-Kegel, von denen ich am Anfang erzählt habe.
Die Entel-Kegel sind manchmal von dem Vater enttäuscht, sind wütend auf ihn, weil er sie nicht so akzeptiert, wie seine ehelichen Kinder. Aber das ändert nichts an ihrer Identität als Entel-Kegel. Denn eine totale Zuwendung zur ursprünglichen Mutter (zur Türkei) scheint aus verschiedenen Gründen unmöglich zu sein. Der Entel-Kegel arbeitet und lebt im Hause des deutschen Vaters und er ist auf die Gaben des Vaters angewiesen. Vater gönnt ihm seine Gabe erst dann, wenn er (Entel-Kegel) anständig ist. Das heißt: Er soll die Äußerungen und Aktivitäten des Vaters unkritisch hinnehmen. Und der Vater verlangt noch etwas: Der Entel-Kegel soll sein intellektuelles Potenzial dazu nutzen, die Defizite der „Mutter“ (die Türkei bzw. die türkischen Immigranten in Deutschland) zu kritisieren. Dass auch der Vater von dieser Situation (miserabler Integrationszustand) große Verantwortung trägt, muss verschleiert und verschwiegen werden. Also richtet sich die Kritik des Entel-Kegels auf die „Mutter“. So gelingt wieder der Kurzschluss: Entel-Kegel denkt und sagt: „Die Integration der Mutter im Hause des Vaters nicht gelungen, weil sie integrationsunwillig und integrationsunfähig ist. Der Vater könnte sie nicht integrieren, weil sie eine andere Kultur und Mentalität hat, weil sie die Zwangsehe und Ehrenmorde befürwortet, weil sie islamisch und rückständig denkt usw.“ Der Entel-kegel kann/ darf niemals darauf kommen, dass der Vater diese Eigenschaften bei der Mutter nicht nur duldet, sondern auch fördert, um nachhinein mit dem Zeigefinger die Mutter zeigen und sagen zu können: „Sie ist integrationsunwillig und integrationsunfähig, sie ist islamisch, sie zwingt ihre Töchter zum Kopftuch, zur Zwangsehe usw.“
Der Vater arrangiert seine Entel-Kegel, um diese Tatsachen „wissenschaftlich“ zu erforschen. Was bei dieser Forschung herauskommen muss, deutet der Vater seinen Auftrags- Entel-Kegel schon im Vorfeld an. Es sollen die Thesen heraus kommen, die der Vater für seine Propagandazwecke anwenden möchte. Damit es glaubwürdig erscheint, müssen „Fakten“ mit Zahlen geschmückt und das Ganze mit glänzenden Powerpointeffekten vorgetragen werden. Mit der Empfehlung des Vaters bekommt der Entel-Kegel überall Einladungen, um seine (d.h. Vaters) Thesen vorzustellen. So bekommen die Entel-Kegel Lob und Preis vom Vater.
Welche Sorten von Entel-Kegel gibt es?
Entel-Kegel erfüllen eine Vermittlerfunktion zwischen den Instanzen des Aufnahmelandes (hier: Deutschland) und der (hier: türkischen) Immigranten. Da die Entel-Kegel in Regel eine sozialwissenschaftliche Ausbildung, oder ein solches Studium hinter sich haben, werden sie in verschiedenen sozialen, kulturellen bzw. politischen Bereichen eingesetzt.
Im Bereich der Sozialwissenschaften kann man sie als „Auftragssozialwissenschaftler“ (oder Sozialwissenschaftlerin), im Bereich der Politik als „Auftragspolitiker“ (oder Politikerin) und im Bereich der Sozialarbeit als „Auftragssozialarbeiter“ (oder Sozialarbeiterin) bezeichnen. Ihr Unterschied zu den anderen (hier: Deutschen) Auftragskräfte besteht darin, dass sie als Entel-Kegel nur Aufträge in Bezug auf die (türkischen) Immigranten bekommen. Zu ihren Auftragsthemen gehören die Aspekte wie z. B.: Der Islamismus; der Terror und der Islam; das Zwangsheiraten; die Ehrenmorde; die religiös (islamisch) motivierte Gewaltbereitschaft der türkischen Jugendlichen in Deutschland; die Kritik an der Türkei wegen des Kemalismus; die Kritik an der Türkei wegen des türkischen Militärs; die Kritik an der Türkei wegen der Armenier- Kurden- Alewiten- und ähnlichen Geschichten usw. Dass es in diesen Problemfeldern vieles zu kritisieren gibt, ist nicht zu leugnen. Aber den Entel-Kegeln geht es nicht um das Problem an sich, sondern einerseits um die Stigmabildung gegenüber der „Mutter“ (hier: die Türkei bzw. die türkischen Immigranten in Deutschland) und andererseits um die Entlastung des „Vaters“ wegen seiner unterlassenen Hilfeleistung bei seinen ausländischen Kindern. Es geht um die Fortführung seiner Differenzpolitik gegenüber seinen ausländischen/ türkischen „Kegeln.“
Die Entel-Kegel versus Intellektuelle
Es ist in der Natur des Entels fest angelegt, dass sie immer eine Funktion als „Arrangierter“ haben. Wenn die Entel-Kegels nicht so eine Natur hätten, würden sie nicht als „arrangierte Entel“, sondern einfach „Intellektueller“ bezeichnet. Der entscheidende Unterschied zwischen Beiden ist die Tatsache, dass sich die Intellektuellen nicht als ein Handlanger bzw. als ein Werkzeug der Mächtigen missbrauchen lassen. Er ist deswegen ein Intellektueller und damit kein Entel-Kegel, weil er ein Gespür für die Heucheleien und damit für die Mythen und Lügen der Herrschaft entwickelt hat. Er ist Intellektueller im Sinne der Aufklärung, im Sinne der universalen Menschenrechte. Die Intellektuellen scheuen sich nicht, sich mit den Mythen und Lügen ihres eigenen Staates, ihrer eigenen Gemeinschaft, ja sogar ihrer eigenen Klasse kritisch auseinander zu setzen. Die Entels und damit die Entel-Kegel jedoch fühlen sich verpflichtet, auf ihre Äußerungen bezüglich der Machtverhältnisse in der Gesellschaft und in der Welt aufzupassen. Sie passen auf, dass die eigene Herrschaft, die eigene Gemeinschaft oder die eigene Klasse von diesen Äußerungen nicht betroffen sind. Der Entel-Kegel rechnet sehr genau nach, was seine Tätigkeiten als ein denkender, redender und schreibender Mensch ihm einbringen. Die Intellektuellen jedoch – wie Sartre mal etwa gesagt hat – sollten mit ihren Aktivitäten und Äußerungen den Tod ihrer eigenen Klasse (Bourgeois) in Kauf nehmen, ohne sich davor zu fürchten, dass auch sie mit ihr eingegraben werden könnten.
Der herrschaftstreue Common Sense der Pseudointellektuellen in Deutschland und seine Entel-Kegel Der Common Sense, der in Deutschland auch mit Hilfe der herrschaftstreuen Pseudointellektuellen hergestellt, befestigt und gepflegt wird, lässt nur die Gedeihung der türkeikritischen Entel-Kegel zu. Auch die Institute für verschiedene Türkeistudien werden nach dieser „Funktion“ bezahlt. Die unsichtbare Hand dieses Common Sense’ bestimmt, wer als Entel-Kegel bedienen darf. Diese aus der Türkei stammenden Menschen, die ja sorgfältig gewählt werden, stammen nicht nur aus ethnisch- und religiös extremistischen, sondern auch aus den liberalistischen Kreisen. Man wählt sie aus den Reihen der ethnischen (Kurdischnationalist, Türkischnationalist usw.), der religiösen (islamischfundamentalistisch, alewitischfundamentalistisch usw.) und der kosmopolitischen Richtungen. Ihre Auftragsgeber wissen ganz genau, dass auf sie Verlass sein kann. Nachdem sie das Auswahlverfahren und die Probephase hinter sich haben, werden sie überall – von allem durch die Medien – salonfähig gemacht. Wie oben schon erwähnt spielt dabei ihre angegebenen politischen Orientierungen keine entscheidende Rolle. Sie können sich als islamistisch, nationalistisch, liberal, bürgerlich usw. bezeichnen. Hauptsache, sie erfüllen eine bestimmte herrschaftstreue Funktion, meistens ohne genau zu wissen, wer ihr Auftragsgeber ist bzw. wer sie salonfähig gemacht hat. Sie dürfen überall Seminare, Veranstaltungen, Symposien, Tagungen, Vorträge machen, geben oder organisieren. Es hilft tatsächlich kein Mittel in der Welt, diesen Entel- Kegel klar zu machen, dass das, was sie machen, mit der Demokratie, mit den Menschenrechten, mit der Freiheit der ethnischen und religiösen Identitäten usw. nichts zu tun hat, sondern lediglich ein „Nützlicher-Idiotismus“ ist. Ihre Vorteile von der Zusammenarbeit mit der Herrschaft verblendet sie dermaßen, dass sie sogar in einem glücklichen Zustand der Pflichterfüllung leben.
Es handelt sich hierbei um eine Entel-Kegel Mentalität, die sich in Europa/ in Deutschland deswegen so karikaturhaft festsetzen und verbreiten konnte, weil sie einen Westen-Komplex haben und weil Deutschland diesen Menschen sonst keine andere Chance gibt, an Arbeit, Geld und Ruhm zu kommen. Ein Teil von ihnen aber, die einmal eine sozialistische bzw. volkstümliche Ideologie verteidigten, tun sich manchmal schwer, alles so zu akzeptieren, was von „oben“ kommt. Es wäre falsch und undankbar, ihre Hilfeleistungen für ihre benachteiligten Landsleute aus der Türkei hier nicht zu erwähnen. Im Großen und Ganzen jedoch lassen sich die Entel-Kegel gestalten, anordnen, einrichten, aufstellen, einreichen und einordnen. Sie kreisen sich um die politische Herrschaft bzw. um die politischen Parteien oder um bestimmte Vereine, lassen sich von diesen Instanzen der Herrschaft für Herrschaftszwecke arrangieren, wie es auch bei dem von der Männerherrschaft (Patriarchat) „arrangierten Heiraten“ ähnlicherweise der Fall ist. Es ist eine Zweckehe der arrangierten Entels mit der Herrschaft, ohne Gefühle, obwohl diese arrangierten Entel-Kegel das Gefühl haben, etwas Nützliches und Gutes zu machen. Dieses Gefühl entspricht für sie natürlich der Realität: Sie tun für sich selbst und für die Herrschaft etwas Nützliches, das ihnen auch „gut“ erscheint. Kein Wunder, dass die Vertreter der Herrschaft sie deswegen unter sich (inoffiziell) „unsere nützlichen Idioten“ nennen!
Tragisch!
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